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MÖBELLAGER

Möbellager

 

Uffenheim-Wallmersbach, Lkr. NEA, Mittelfranken: Alt- und Mittelneolithische Siedlungen mit Einzelbefunden aus der Eisenzeit und dem späten Mittelalter

 

Ausgrabungen im und am Möbellager

Ausgrabungen im und am Möbellager

Wie lässt sich modernes Bauen und Wohnen in einer prähistorischen Siedlung realisieren? Im Falle eines unter Zeitdruck schlüsselfertig zu errichtenden Möbellagers eine besonders drängende Frage. Ein erfolgreicher Versuch konnte im nun Falle eines Industriebauprojektes im Gewerbegebiet von Uffenheim-Langensteinach unternommen werden.

Das Areal ist unter Archäologen längst bekannt. So konnten bei der Anlage weiterer Hallenbauten im vergangenen Jahrzehnt bereits linearbandkeramische und mittelneolithische Hausgrundrisse aufgedeckt werden. Geradezu spektakulär ist ein von der archäologischen Fachbehörde entdecktes und ergrabenes ältestbandkeramisches Gräberfeld (BLfD. NADLER 2011).

Schneiden von Siedlungsgruben

Schneiden von Siedlungsgruben

Gestützt auf diese abwechslungsreiche Vorgeschichte stand 2015 die neuerliche Baufläche – eine größtenteils lößbedeckte Fläche von ca. 60.000 m² - in enger Zusammenarbeit mit den ausführenden Baufirmen, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und dem Bauherr, dem österreichischen Möbelgiganten XXXLutz untersucht werden.

Im Süden, am höchstgelegenen Teil der Fläche wurden einige sog. Schlitzgruben und weitere Siedlungsgruben aus der ersten bäuerlichen, der sog. linearbandkeramischen Kultur dokumentiert. Eine weitere kegelstumpfförmige Grube in unmittelbarer Nähe datiert in die entwickelte Eisenzeit.

Am Ostrand der Fläche wurden viele Pfostengruben aufgedeckt. Diese deuten auf eine relativ dichte Bebauung in der Steinzeit hin. Auch einige Kellergruben zur Aufbewahrung von Vorräten, eine Herdstelle und ein Palisadengrabenabschnitt konnten dokumentiert werden.

Die wenigen Scherben, die dort gefunden wurden, weisen auf eine mittelneolithische Zeitstellung hin. So konnte eine verzierte Wandscherbe der sog. Rössener Kultur die Zeit der Grabenverfüllung eingrenzen. Eine Flachdechsel aus Amphibolith, einem importierten Felsgestein, und eine Feuersteinpfeilspitze stellen zwei weitere Besonderheiten im Fundmaterial dar.

 

Zwar kein Gräberfeld, aber immerhin: Als Einzelbefund konnte das Hockergrab eines Kleinkindes, welches offenbar keine Grabbeigaben auf seiner letzten Reise erhalten hatte durch samstägliche Mehrarbeit noch vor dem Anrücken der Baumaschinen freigelegt, dokumentiert und geborgen werden.

 

Die jüngsten untersuchten Befunde bestanden schließlich aus zwei Drainageabschnitten, zusammengesetzt aus massiven quaderförmigen und plattigen Kalksteinen. Sie dienten im Zusammenhang mit der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Lndwirtschaft der Entwässerung der landwirtschaftlichen Nutzfläche.

 

Nochmal: Lässt sich modernes Bauen und Wohnen in einer prähistorischen Siedlung realisieren? Antwort: Ja, mit vereinten Kräften und mit viel wissenschaftlichem Ertrag. Anders formuliert kann man in der stetigen Nachfrage nach modernen Möbeln sozusagen den Anlass zur Entdeckung einer ganzen steinzeitlichen Lebenswelt erkennen.

 

Literatur:

M. Nadler, Landnahme in Mainfranken – Eine Siedlung der Ältesten Bandkeramik bei Wallmersbach. In: E.Greipl/et a. (Hrsg.), Das Archäologische Jahr in Bayern 2010 (Stuttgart 2011) 11 ff.

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