RADWEG

Mit dem Radweg durch vor- und frühgeschichtliche Siedlungen zwischen bei Untermässing

Bronze- bis urnenfelderzeitliche, kaiserzeitliche Siedlungen. Radwegbau Greding-Untermässing

Gemeinde Greding, Landkreis Roth, Mittelfranken

September bis Oktober 2011

Bereits im Jahr 2010 wurde ein Radweg von Freystadt kommend bis Obermässing gebaut. Mitte September 2011 erfolgte dann der Erdabtrag für den Weiterbau bis Untermässing worauf Verfasser in der frisch abgeschobenen Trasse Erdverfärbungen feststellte, die Keramik der Urnenfelderzeit enthielten. Streuscherben ließen eine größere Siedlung vermuten, die sich weiter gegen Süden erstreckte. Dieser Bereich korrespondiert zum Teil mit einem bekannten, durch Lesefunde angezeigten Bodendenkmal. Nun wurden entlang der Kreisstraße RH27 innerhalb von vier Wochen in mehreren Abschnitten der Radweg-Trasse Siedlungsreste der Bronze- und Urnenfelderzeit sowie der Römischen Kaiserzeit aufgedeckt, zum Teil in Bereichen, aus denen bislang keine Anzeichen dafür vorlagen. Diese fanden sich jeweils in leicht exponierter Lage am Hang des Schwarzachtals. In den Niederungen und Feuchtgebieten ergaben sich keine weiteren Befunde. Hier sind Bodendenkmäler vermutlich unter meterhohen Kolluvien verborgen und kommen erst durch tief greifende Baumaßnahmen zutage, wie vor einigen Jahren südlich von Untermässing beim Bau der ICE-Strecke.

Die Befunde zeichneten sich insgesamt sehr gut ab, öfters auch mit deutlich erkennbarer Pfostenspur. Eine Grube in B2 (Befund 65) enthielt umfangreiches Fundmaterial der späten Urnenfelderzeit, für die sich in der Gemeinde Greding eine dichte Besiedlung abzeichnet. Es handelt sich um Fragmente von Enghalsformen mit trichterförmigem Rand, darunter auch ein geschwungener Schulter-Halsübergang mit horizontalen Rillenbündeln. Eine Wandscherbe und ein kleines Schälchen mit facettiertem Rand trägt Rillenbündel, die von einer Art Rollrädchenzier gesäumt werden. Die Formen entsprechen dem Fundmaterial unmittelbar benachbarter Fundstellen. Die Siedlungen lagen vor allem an den mittleren Hängen entlang der kleineren Zuläufe der Schwarzach. An den unteren Hängen sind die ausgedehnten Siedlungen dieser Zeit, wie auch die aufgedeckten urnenfelderzeitlichen Brandgräbern und Grabhügel der Hallstattzeit durch abgeschwemmte Böden überlagert oder liegen unter der heutigen Talaue.

Auf der seichten Anhöhe in der Radwegtrasse wurde zudem eine germanische Siedlung der römischen Kaiserzeit mit Pfosten-, Vorrats – und einer Materialentnahmegrube mit einer Fibel und Resten verzierter Keramik angeschnitten. Mit zwei vereinzelten Pfostengruben setzen hier die Befunde in der leicht nach Süden geneigten Hanglage ein. Weitere Pfostenstellungen dürften den Teil eines zweischiffigen Hauses darstellen. Unmittelbar nördlich davon lag der Grubenkomplex Befund 15 Es folgte eine dichte Ansammlung von Pfosten- und anderen Gruben, die nach Anschein der wenigen Keramikfunde auf eine Überlagerung von urnenfelderzeitlicher- und kaiserzeitlicher Besiedlung zurückgehen. Erst vor der Einmündung eines Feldweges setzten die Befunde wieder ein. Auch hier ist an eine Mehrphasigkeit der Besiedlung zu denken, während allein die urnenfelderzeitliche Siedlung sich weiter bis in B2 ausgedehnt zu haben scheint.

Die Armbrustfibel und die Keramik aus Befund 15 datiert in die späte Kaiserzeit, in das 4. bis 5. Jahrhundert nach Christus. Die Scherben sind zum einen durch Kalkgrus-Magerung gekennzeichnet und zum Teil stark glimmerhaltig, die Feinkeramik ist geglättet und schwarz poliert. Neben Fragmenten feinkeramischer Breitformen liegen grobkeramische tiefe Schalen mit gerundetem Rand und ein napfartiges Gefäß vor. Breitformen tragen Verzierungen wie breite Schrägkanneluren und Ovalfacetten. Diese entsprechen dem Verzierungsspektrum der Keramik vom Typ Friedenhain – Přešť ovice. Von Böhmen ausgehend fand diese Keramik mit der germanischen Einwanderung nach der Aufgabe des Limes, eine Verbreitung bis in den Bereich der südlichen Frankenalb mit angrenzender Oberpfalz. Die Fundstelle fügt sich in eine ganze Reihe von spätkaiserzeitlichen Siedlungsbelegen entlang der Schwarzach ein, die erst vor einigen Jahren durch E. Weinlich kartiert wurden.

Wiederum in leicht exponierter Lage, fanden sich in einem Trassenabschnitt (B3) Streufunde der im Umkreis kaum belegten Mittleren Bronzezeit zugewiesen werden konnten. Die ursprüngliche Topographie dieser Siedlung auf einer heute nur noch zu erahnenden sandigen Kuppe wird erst durch die Betrachtung der geologischen Karte deutlich. In Schutzlage wurde sie von Feuchtgebieten der Schwarzach sowie des Kreuzfeldbaches und gegen Süden durch einen kleineren Bachlauf eingeschlossen. Abgesehen von sechs Baumwürfen oder -pflanzgruben ergaben sich zwölf Pfostengruben und der untere Rest einer umgedreht kegelstumpfförmigen Speichergrube. Diese war im Planum mit einem Durchmesser von drei Metern annähernd kreisförmig (Bef.69). Neben größeren Kalksteinen enthielt die Füllung Keramik mit Verzierungen der jüngeren Mittelbronzezeit (etwa 14. Jh. vor Christus), Kornstich- und Kerbstempelzier. Im näheren Umfeld sprechen die relativ geringen Belege dieser Zeit für eine erst allmähliche Ausweitung der Besiedlung in der Bronzezeit, die dann bis zur Hallstattzeit stark zunimmt. Einhergehende Landschaftsveränderungen und Klimawandel scheinen aber auch zur Überdeckung und Verlagerung der älteren Siedlungshorizonte geführt zu haben, wodurch diese im Fundbild unterrepräsentiert erscheinen.

 

Literatur

P. Honig, Die urnenfelderzeitliche Siedlung von Greding, Am Rohrmeierkeller, Lkr. Roth. Beiträge zur Archäologie Süddeutschlands 11, Büchenbach 2001, Kartierung Abb. 3 und Abb. 56

 

M. Nadler, Die Rettungsgrabungen entlang der ICE-Neubaustrecke Nürnberg-Ingolstadt (Abschnitt Mittelfranken) in den Jahren 1999-2002 (Teil 2) und Nachträge. Beiträge zur Archäologie in Mittelfranken 8, Büchenbach 2008, 9-40.

 

E. Weinlich, Alte und neue Keramikfunde der späten Kaiser- und der Völkerwanderungszeit in Mittelfranken – Zur germanischen Besiedlung der südlichen Frankenalb. Beiträge zur Archäologie in Mittelfranken 4, Fürth 1998, 179-210, Abb. 7. 49

 

Örtliche Grabungsleitung P. Honig,  Fa. Ausgrabungen Specht, Schwebheim

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