bild4_klein

Straßenbau

Winterliche Schwanfeldstudien

 

Schwanfeld, Lkr. SW, Unterfranken: Linearbandkeramische Siedlung mit zwei Bestattungen

 

Anlegen von Schnitt- und Profilachsen

Anlegen von Schnitt- und Profilachsen

 

Die Gemeinde Schwanfeld bezeichnet sich auch als „ältestes Dorf“ Deutschlands. Hier konnten bereits in den 1980er Jahren im Rahmen einer Forschungsgrabung Hausgrundrisse der ältesten Bandkeramik erforscht werden (LÜNING 1986). Die dabei entdeckten spektakulären Befunde werden sehr anschaulich im hiesigen Museum vorgestellt.

Bei den Erbauern handelt es sich um die erste sesshafte Bevölkerung aus Ackerbauern und Viehzüchtern, die mit ihrem Auftreten zugleich den Beginn der Jungsteinzeit markiert. Sie werden als Pioniere, Kolonisten und allgemein auch als Vermittler der „neolithischen Revolution“ angesehen.

Winterliches Arbeiten in den Seitenstreifen

Winterliches Arbeiten in den Seitenstreifen

Neben den entsprechenden Siedlungsresten wurden auch zwei Gräber mit außergewöhnlichen Beigaben und sehr viel jüngere mittelneolithische Siedlungsspuren entdeckt. Zwischen diesen beiden Zeitabschnitten ergeben sich große Lücken.

Auswahl bandkeramischer Tonware

Auswahl bandkeramischer Tonware

Doch was geschah in der Zwischenzeit? War die kleine Siedlungskammer etwa zeitweise unbesiedelt? Oder kam es zu kleinräumigeren Siedlungsverlagerungen?

 

Antworten hierauf konnte nun eine Grabung im Rahmen des Ausbaus der Kreisstraße zwischen Schwanfeld und Wipfeld liefern. Unterstützt und finanziert wurden diese vom Verursacher und Bauherr, dem Landkreis Schweinfurt bzw. dem Staatlichen Bauamt.

Von November 2014 an wurden die Arbeiten unter zeitweise widrigsten Witterungsbedingungen über den Winter bis in den April des folgenden Jahres hinein erledigt.

 

Die Durchführung erfolgte zunächst bauvorgreifend und später zunehmend baubegleitend mit dem üblichen Zeiotdruck des allgemeinen Bauzeitenplans. Zunächst wurde der Oberboden in Streifen beidseitig des bestehenden Straßenkoffers entfernt. Darauf erfolgte die archäologische Untersuchung in den straßenparallelen Streifen. Zu guter Letzt wurde die alte Fahrbahndecke entfernt und die darunter zum Vorschein archäologische Quelle freigelegt und dokumenmtiert. Auch aufgrund der hervorragenden Erhaltung der Befunde unter dem Straßenkoffer kann – trotz der Einschränkungen auf die tatsächlichen Eingriffstiefen des Bauprojektes ein erstaunlich komplettes Bild des betroffenen Siedlungsausschnittes gezeichnet werden.

 

Bei den im anstehenden Lößboden eingetieften Befunden handelte es sich überwiegend um Siedlungsbefunde, um Pfosten-, Vorrats- und hausbegleitende Längsgruben der Bandkeramik.

Zum Teil waren diese noch über 1,40 m tief erhalten.

Es konnten wenigstens fünf gesicherte Hausgrundrisse in der geöffneten Fläche dokumentiert werden. Daneben wurden während der landwirtschaftlichen Brache gegen Ende des Winters weitere acht Hofstellen im benachbarten Acker beobachtet. Neben zwei beigabenlosen Hockerbestattungen in der westlichen Siedlungsperipherie konnten mehrere Öfen entdeckt werden. Diese waren selten umfäglich in situ, also in Originallage erhalten, sondern sind zuvor überwiegend andernorts abgerissen und verlagert worden.

Das überaus zahlreiche geborgene Fundmaterial bestand überwiegend aus z.T. reichhaltig verzierten Tonscherben, Tierknochen und Brandlehm. Dieses Fundgut ist materielle Hinterlassenschaft einer Siedlungsgemeinschaft, die hier von der Epoche der älteren bis zur jüngsten Bandkeramik ansässig war.

 

Sie setzt also zeitlich an die von Prof. Lüning in unmittelbarer Nähe entdeckte älteste Bandkeramik an und schlägt eine Brücke bis zum Beginn des Mittelneolithikums. Eine einzelne nun dokumentierte Siedlungsgrube der sog. „Michelsberger Kultur“, eine Ausprägung des Jungneolithikums, lässt auf die Entdeckung weiterer entsprechender Befunde in der Zukunft hoffen.

 

Es bleibt anzumerken, dass die jüngsten Grabungsaktivitäten in Schwanfeld nicht nur eine straßenbauliche, sondern auch eine zeitliche Lücke geschlossen haben.

 

 

J. Lüning, Die Ausgrabungen zum Neolithikum in Schwanfeld, Landkreis Schweinfurt. In: L. Wamser (Hrsg.), Aus Frankens Frühzeit. Festgabe für Peter Endrich. Mainfränkische Studien Bd. 37 (Würzburg 1986).

Hinterlasse eine Antwort