Abtiefen

Windrad I

Windpark und Gräberfeld – Neues von der Energiewende

Jüngst waren in einer 8,5 km² großen Siedlungskammer nahe dem unterfränkischen Werneck-Eßleben (Landkreis Schweinfurt) mehr Bagger, Raupen und Lasten denn Traktoren unterwegs. Für die Errichtung eines Windparks mussten drei Standorte archäologisch voruntersucht werden. Durch den Altfund einer wohl im 10. Jh. in Nordpakistan geprägten indischen Dramma, weiterem einschlägigem Fundmaterial und Schriftquellen galt in erster Linie der Nahbereich zur Wüstung Adelshausen, – im Volksmund auch das „versunkene Dorf“ genannt als archäologische Verdachtsfläche. Tatsächlich konnten hier Grubenkomplexe früh- bis hochmittelalterlicher Zeitstellung dokumentiert werden.

Manche Funde sind etwas schwerer. In diesem Fall die mutmaßliche Sandsteinstele

Manche Funde sind etwas schwerer. In diesem Fall die mutmaßliche Sandsteinstele.

Eine wirkliche Überraschung stellt die Entdeckung eines frühlatènezeitlichen  Flachgräberfeldes dar. In einem etwa 300 m² großen Ausschnitt konnten im Kontrast zum hellen Lössboden 13 noch bis zu 0,7 m tiefe Nord-Süd-orientierte längsrechteckige Grabgruben von bis zu 2,5m Länge und 0,8 m Breite differenziert und untersucht werden. In einem Grab fand sich ein waagrecht deponierter grünlicher Sandsteinblock mit regelhaft anmutenden Ritzlinien auf der Oberseite. Die grabmarkierende Stele wurde wohl  im Zuge antiken Grabfrevels in den Raubschacht verstürzt.
Bestattet wurde ausschließlich in gestreckter Rückenlage mit dem Kopf im Süden. Randbegleitende streifenförmige Holzspuren um die Bestattungen liefern vage Hinweise auf einfache Kastenkonstruktionen mit Abdeckbrettern und damit auf den zeitgenössischen Totenritus. Die im Kopfbereich einer Bestattung geborgene zierliche Bronzefibel mit um den anschwellenden Bügel geschlungener Sehne und Kugelspitzfuß steht dem Duxer Typ nahe und bestätigt anschaulich die grabtypologisch vermutete zeitliche Einordnung in die Frühlatènezeit (Lt B).

Wieder etwas Besonderes: Ein Grab inmitten einer älteren Siedlungsgrube.

Wieder etwas Besonderes: Ein Grab inmitten einer älteren Siedlungsgrube.

Anmerkung: Weitere Informationen zur Grabung sind mittlerweile im  “Das Archäologische Jahr in Bayern 2014″ veröffentlicht (Konrad Theiss Verlag 2015).