Moderne Windmühlen

WINDRAD III

Kaiserzeitliche Siedlung, Errichtung Windkraftrad (Gem. Bergen, Lkr. Weißenburg-Gunzenhausen) Zeitraum: Oktober 2012

Die Hochfläche am Nordrand der südlichen Frankenalb wird weitläufig von steinigen Äckern mit gering mächtiger Ackerkrume über dem anstehenden Plattenkalk (Malm Alpha und Beta) eingenommen. Östlich von Weißenburg sind nördlich des Limes in den vergangenen Jahren schon mehrere Windenergieanlagen entstanden. Die Bürgerwindenergie Kaltenbuch-Bergen GmbH & Co. KG plante jetzt zwei Weitere. In den Bauflächen waren keine Bodendenkmäler bekannt. Wegen der Lage im unmittelbaren Vorfeld der Römischen Grenzanlage wurde vom Landesamt für Denkmalpflege dennoch eine archäologische Begleitung der Baumaßnahme gefordert.

Flächenübersicht

Flächenübersicht

Jenseits der mitteleuropäischen Hauptwasserscheide sollte die zweite Windenergieanlage (WEA 1), in der Flur „Arschkerbe“, etwa 1,5 km südlich von Kaltenbuch errichtet werden. Von hier (612 m über NN) besteht Blickkontakt zu den höheren Erhebungen der Frankenalb, Es ergab sich eine Anzahl von insgesamt 89 Befunden. Dabei erwiesen sich die Pfostengruben als nicht sehr tief erhalten und die schlitzartigen Grubenbefunde nicht sehr umfangreich.

Einige länglichen, schlitzförmigen Grubenbefunde waren mit homogener, in der Regel fundfreien Füllungen muldenartig in den Alblehm bis in den anstehenden Plattenkalk eingetieft. Mit schrägen abgestuften Sohlen waren sie nicht mit den vor allem aus mittelneolithischen Siedlungen bekannten Schlitzgruben vergleichbar. Daneben ergaben sich keine sicher als Vorratsgruben anzusprechende Befunde.

Die langschmale Grube Befund 84 erbrachte gegen Ende der Grabung datierbares Fundmaterial. Die schwarze, polierte Feinkeramik weist in zwei Fällen schräg kannelierte Wandungen auf, die auf Keramik des Typ Friedenhain- Přešťovice verweist. vergesellschaftet. Sie dürfte also ebenfalls kaiserzeitlich datieren, wie auch der Grundriss von Haus 1, der den ersten Beleg eines Gebäudes dieser Zeit in Mittelfranken repräsentiert.

Eine ungewöhnliche Hausform, die mit partieller Dreischiffigkeit keine Entsprechung in den älteren vorgeschichtlichen Perioden hat zeigt eine Unterteilung im Ostteil des Hauses, die für germanische Häuser charakteristisch ist. Hier dürfte sich der Bereich des Stalles befunden haben. Zugehörig erscheint der kleine 6-Pfostenbau, eventuell ein Speichergebäude. Eisenschlacken aus diesem Gebäude und aus der daneben liegenden Grube Befund 84 belegen Eisenverhüttung vor Ort. Schmelzreste geben Hinweise auf Buntmetallverarbeitung. Die schlitzförmigen Gruben können zum einen Materialentnahmegruben – Lehm für den Hausbau – darstellen, evtl. handelt es sich um Schürfgruben bzw. „Suchschlitze“ um die im sandigen Lehm enthaltenen Bohnerze zu gewinnen.

 

Örtliche Grabungsleitung P. Honig, Grabungsassistenz F. Hopfenzitz,

Literatur

Peter Honig, Windenergie und germanische Siedlung bei Kaltenbuch,

Gemeinde Bergen, Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, Mittelfranken. Arch. Jahr Bayern 2012, 86-88.

 

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